3×3 Minuten (täglich)

Eine Gemeinschaft muss man pflegen

Doris Stracke-Bahr, Erzieherin – engagiert u.a. in der Erstkommunionvorbereitung

Christ sein – Warum bin ich Christ? Eigentlich eine einfache Frage und daher auch eine einfache Antwort: Ich bin Christ, weil ich an Gott glaube.

Aber eigentlich ist es dann doch wieder nicht so einfach …

Es ist schon so, dass mein Glaube an Gott sehr wichtig in meinem Leben ist. Ich gehe in die Kirche engagiere mich in der Gemeinde, bete … aber dennoch bin ich den größten Teil des Tages mit anderen Dingen beschäftigt. Arbeiten, Autofahren, einkaufen, etwas organisieren, mit Leuten sprechen, Freunde treffen usw. – all die Alltagsdinge, die den Tag füllen.
Aber ich habe immer wieder das Glück, dass ich besonderen Menschen begegne. Menschen, die eigentlich ganz normale Menschen sind. Die aber oft eine Geschichte zu erzählen haben oder eine Ansicht oder Meinung vertreten, die zum Nachdenken animiert. Diese Begegnungen sind oft intensive Momente und ich denke später oft noch an den Menschen zurück – oder ich denke darüber nach, was er gesagt hat.

Es ist fast so, als ob Gott mir dann einen Engel geschickt hat. Nicht um mich zu retten, sondern damit ich wieder erlebe, was wirklich wichtig ist im Leben: Nämlich das Miteinander mit dem Anderen. Darin zeigt sich Gottes Liebe zu uns Menschen.
Es geht nicht darum besonders fromm zu sein oder besonders oft in die Kirche zu gehen. Der Glaube an Gott darf nicht aufgesetzt oder gespielt sein.
Allerdings ist es nun mal realistisch, dass auch der Besuch des Sonntagsgottesdienstes mal zur Routine wird. Aber dann kann es passieren, dass ein Wort oder ein Lied mich direkt anspricht, so als ob es für mich gemacht wäre. Das sind Momente, in denen ich Gottes Gegenwart in meinem Leben spüren kann.

Ich würde mir wünschen, dass es auch mir gelingt – wenigstens ab und zu – etwas zu sagen oder so zu handeln, dass die Menschen Gott in meinem Tun entdecken können. Bedeutet das Christ zu sein?

Ich bin mir nicht sicher.

Vielleicht geht es eher darum, sein Leben so zu führen, das wir Jesus nachfolgen. Auf jeden Fall werden wir ja immer aufgefordert IHM nachzufolgen. Leider muss ich dazu sagen, dass ich daran scheitere.
Es ist in meinem Leben doch sehr selten, dass ich Nackte kleide oder Obdachlose aufnehme. Aber ich glaube fest daran, dass wir nicht nur für uns alleine glauben können, sondern das wird den anderen brauchen. Gott hat uns Menschen als soziale Wesen erschaffen. Seit der Taufe gehören wir zur Gemeinschaft der Christen. Und eine Gemeinschaft muss man pflegen … durch gemeinsame Feste und Feiern, durch Gottesdienste, gemeinsames Beten und Gespräche. Alle müssen mitmachen, denn jede und jeder ist für die Gemeinschaft wichtig und falls einer verloren geht, so ist es unsere Aufgabe für sie oder ihn da zu sein.

Das klingt alles sehr gut und einleuchtend. Schwierig ist die reale Umsetzung. Aber Jesus hat auch nie gesagt, dass es leicht werden würde ihm nachzufolgen.

Christ-Sein? Ich will es auf jeden Fall weiterhin versuchen.