Christsein heißt Begegnung
Papst Benedikt XVI.
Am Anfang des Christseins steht die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die dem Leben einen neuen Horizont und damit die entscheidende Richtung gibt.
Unser Christsein gründet nicht auf einer trockenen Theorie oder einer überholten Tradition. Christsein heißt Begegnung mit Jesus Christus, der lebt und der mich ruft. „Meister, wo wohnst du?“, fragen im Evangelium die ersten Jünger, und der Herr lädt sie ein: „Kommt und seht!“. Diese Einladung gilt auch uns, hier und heute. Je mehr wir uns Christus nähern, um so stärker werden wir von seiner Liebe und seinem Leben erfüllt. Und diese Begeisterung im Herrn wollen wir an unsere Mitmenschen weitergeben. Er ist es, der unser Leben hell und froh macht.
(Angelus, 15. Januar 2012)
Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit, nicht erst in unserer Zeit, ein Skandal. Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit fassbar geworden sein soll, dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferweckung und Ewiges Leben verheißen ist – das zu glauben ist nun einmal für uns Menschen eine Zumutung.
(Freiburger Rede, 25. September 2011)
In der heutigen Katechese möchte ich euch einladen, mit mir darüber nachzudenken, was der Glaube ist, was es heißt, heute zu glauben. Oft scheint die spirituelle Wüste immer größer zu werden, und eine gewisse Kultur des Machbaren als des allein Gültigen lässt den Menschen im Tiefsten orientierungslos zurück. Es steigen Fragen auf: „Welchen Sinn hat es zu leben?“ „Ist es gut, ein Mensch zu sein?“, Gibt es eine Zukunft für den Menschen?“ Wir brauchen nicht nur technisches Können, wir brauchen auch Liebe, Sinn, Hoffnung, ein sicheres Fundament, das uns hilft zu leben. Dies gibt uns der Glaube.
Er ist ein Sich-Anvertrauen an ein „Du“, an Gott, der mir Hoffnung und Zuversicht schenkt, der mich liebt. Glauben heißt also, in lebendiger Beziehung zu Gott zu stehen, der Liebe Gottes zu trauen, der im Geheimnis Christi ganz in unser Menschsein herabgestiegen ist, um uns zu sich hinaufzuziehen.
Der Glaube ist ein Geschenk, das Gott allen Menschen anbietet und das den Sinn gibt, den wir uns selber nicht geben können und den wir doch brauchen. Wir können auch heute an Gott glauben, weil Er uns nahekommt und uns anrührt. Unserem Glaubensweg liegt die Taufe zugrunde, das Sakrament, das uns den Heiligen Geist schenkt und in Christus zu Kindern Gottes macht in der Gemeinschaft mit der Kirche. Man glaubt nicht von sich aus ohne die Gnade Gottes und man glaubt nicht allein, sondern zusammen mit den Brüdern und Schwestern.
Zugleich ist der Glaube ist zugleich ein zutiefst freier und menschlicher Akt. Der Glaubende überschreitet sich selbst, seine eigenen Sicherheiten und Denkmuster, um in voller Freiheit und Freude, mit Verstand und Herz zu Gott ja zu sagen.
(Generalaudienz am 24.10.2012)