Drei Grundsätze in drei Minuten
Marco Papenfuss – Medizinstudent, langjährig engagiert in Kinder- und Jugendarbeit sowie Pfarrgemeinderat
Etwas in drei Minuten zu erklären, wofür die Zeit meines gesamten Lebens vermutlich nicht ausreicht, um es zu verwirklichen, ist überhaupt nicht einfach. Ich fange einfach mal an:
Christ-Sein – Das realisiert sich für mich in drei Grundsätzen: Erkennen, Begreifen, Handeln.
Schon zu Beginn meines Lebens durfte ich den Glauben erkennen: Die Taufe vereinigt uns mit Jesus Christus und seiner Gnade, die jeden von uns voraussetzungslos annimmt. Das klingt schwierig und hätte ich das damals als Kleinkind ansatzweise nachvollziehen können? Nein – natürlich nicht. Das „Begreifen“ ist allerdings auch nicht unbedingt Bestandteil der Taufe, wie ich finde. Die Taufe öffnet zunächst die Tür für uns: Jeder Mensch wird mit der Fähigkeit zu glauben geboren, aber durch die Taufe können wir das Christ-Sein, die Kirche und die Gemeinschaft mit Gott erst kennenlernen.
Feststehen tut allerdings auch, dass niemanden die Taufe übergestülpt werden kann: Auf meinem Weg zur Firmung wurde ich immer wieder mit dem Gedanken des „Begreifens“ konfrontiert: Was bedeutet es für mich, Jesus Christus nachzufolgen und seine Liebe in Wort und Tat zu bezeugen? Mit dem Empfang der Firmung entschied ich mich bewusst, meine eigene Taufe zu bestätigen und mit der Kraft des Heiligen Geistes meinen eigenen Glaubensweg fortzuführen.
Das – so würde ich sagen – bedeutet Taufe und Firmung für mich. Doch schon während ich diese Zeilen schreibe, muss ich innerlich über diese schmunzeln. Vielleicht sollte ich besser sagen: Das sollten Taufe und Firmung für mich bedeuten.
Denn wie oft ertappe ich mich selbst dabei, dass ich Jesus Christus nicht erkenne. Erkenne ich Jesus Christus im täglichen Brot, das ich verzehren darf? Erkenne ich Jesus Christus in der Armut der Welt? Erkenne ich Jesus Christus in allen Menschen und vor allem in denjenigen, die am meisten Hilfe benötigen?
Und wie oft begreife ich oder begreife ich auch nicht. Begreife ich, dass Zeuge Christi zu sein nicht nur bedeutet das Evangelium zu lesen, sondern es in die Tat umzusetzen? Begreife ich, dass ich meine Talente für das Wohl der Gesellschaft einsetzen muss? Begreife ich, dass die Nachfolge Christi nicht einfach ist und dass das reine „Erkennen“ eben nicht für das Christ-Sein genügt?
Diese und noch viele weitere Fragen stelle ich mir täglich und hinterfrage sie. Die, die ich beantworten kann, enden letztlich in nur einer Konsequenz: dem Handeln.
Einem Hilfsbedürftigen kann ich nur helfen, wenn ich vorher erkannt und begriffen habe, dass ich meinen Nächsten lieben solle, wie mich selbst und, dass ich das entsprechende Wissen benötige, um einer kranken Person auf die Beine zu helfen. Und für den Glauben Christi kann ich nur dann einstehen, wenn ich selbst tief im Glauben verwurzelt bin. Diese Handlungen verwirkliche ich – so gut es geht – in meinem Studium und in meinem persönlichen Ehrenamt innerhalb meiner Heimatgemeinde.
Erkennen, Begreifen und Handeln und das in jedem Augenblick meines Lebens – Das bedeutet Christ-Sein für mich.